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Zukunft, die keine ist

„Ich sehe keinen Grund, dass man … Zukunftsinvestitionen nicht über eine Neuverschuldung finanziert. … ich glaube, dass es eben bei der deutschen Wirtschaftspolitik wichtig ist, ein Umdenken in die Wege zu leiten dahingehend, dass mehr in die Zukunft investiert wird, als das bisher der Fall ist. Dadurch bietet man sichere Anlagemöglichkeiten und tut etwas für die Zukunft.“

Peter Bofinger, Cicero, März 2009, S. 97
(Prof. für Volkswirtschaftslehre und Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Universität Würzburg)

„Die Rede von der “Zukunft”, die zu beachten sei und der man deshalb “folgen” müsse, ist nur die Übersetzung für eine Herrschaft in der gegenwärtigen Gesellschaft. Jene, die heute aus einem “Zukunftsentwurf” Bedingungen für das Handeln setzen können, sind die jeweils Herrschenden heute, und es ist kein Geheimnis, dass deren Zukunft vor allem darin besteht, die bestehenden Sozialverhältnisse erhalten und die eigene Herrschaft ausweiten zu wollen.“

Karl-Heinz Brodbeck, Die Herrschaft des Geldes, S. 1120
(Prof. für Volkswirtschaftslehre, Statistik und Kreativitätstechniken, FH Würzburg)

Geldgier

„Die Geldgier ist ein unglückliches Bewusstsein, weil es, einmal, nach Hegels Wort, die “Gegenwart nicht besitzt”, weil es immer schon über die sinnliche Gegenwart in berechnender Ratio hinaus ist, zum anderen aber, weil es seinen Inhalt nur an einer Abstraktion hat, die unter den Händen sich stets als Mangel, als zu wenig erweist und das Bewusstsein über jede erreichte Geldsumme hinaustreibt. …

Weil das unglückliche Bewusstsein der Geldgier die Gegenwart nicht besitzt, treibt es die Handlungen in eine fiktive Zukunft, in der man nie ankommt und die zugleich das gegenwärtige Leben der Menschen und anderer Lebewesen in immer neuen Formen ruiniert.“

Karl-Heinz Brodbeck, Die Herrschaft des Geldes, S. 1128

Systemkrise und Zins

„Zins auf eingesetztes Kapital, Wirtschaftskrisen und globale Armut sind also nur die Vorder- und Rückseite eines Prozesses. Jede neu vollzogene Form der Vergesellschaftung über Märkte, organisiert durch die Wucherer, hebt in der Konkurrenz, worin die Geldgier sich in Vielfalt selbst begegnet, die erworbenen Zinsfrüchte wieder auf und erzwingt eine immer wieder erneute Umwälzung – nicht ohne beständig Menschen an die Ränder ihrer Gesellschaft zu verstoßen. Diese immer wieder erneute Indienstnahme menschlicher Kreatität zur Gestaltung neuer Produkte, Märkte oder Organisationsformen und der daraus fließende Gewinn zerrinnt im Wettbewerb unter den Händen und nötigt die Sklaven der Geldgier zu erneutem Abriss und Wiederaufbau.“

Karl-Heinz Brodbeck, Die Herrschaft des Geldes, S. 984

Heilserwartungen

„Seit Menschengedenken hat es Heilserwartungen gegeben, die immer auf die Ankunft oder die Wiederkehr von etwas oder jemanden gerichtet waren. Heutzutage ist mit dem unaufhörlichen Vorbeiflitzen der Bildschirmflut die Bewegung als solche zum Messias vorgerückt: ein neuer Trend, eine ganz andere Managementstrategie kann schon Erlösung bringen, oder auch ein klügerer Chip oder vielleicht sogar die nächste Folge einer Fernsehserie — oder vielleicht endlich mal das neue Windows-Betriebssystem.“

Rengenier C. Rittersma, Scheidewege 38 (Jahrgang 2008/2009), S. 343

Lebensoptionen

„Es ist das hinterzogene Geld, das Lebensoptionen verspricht, und es ist oft so viel Geld, dass es Manager in ihrer eigenen Lebenszeit kaum ausgeben können. Diese Logik implantiert eine Anökonomie des Lebens. Biblisch wäre sie mit einer Gegenökonomie zu konfrontieren, die Lebensgewinn im geteilten Leben entdeckt. Leben auf Kosten anderer als Lebensverlust wahrzunehmen: Diese Lektion steht uns noch bevor.“

Gregor Maria Hoff in der FAZ vom 22.02.2008, S. 40

Herrschaft

„Wenn eine Religion eine Gesellschaft und ihre Politik völlig durchdringt, dann nennen wir das Theokratie. Wenn eine Partei dies tut, nennen wir es Totalitarismus. Wenn aber Konsum und Markt alles durchdringen, dann nennen wir es Freiheit – schon lustig, oder?“

Benjamin Barber, Greenpeace Magazin 2.08, S. 12