Leere Unendlichkeit des Mehr

„Was mit leuchtenden Augen als Fortschritt und Modernisierung gepriesen wurde, war stets nur die verlockende Vorderseite eines Prozesses, dessen Rückseite aufgrund der dem Geld zugrunde liegenden abstrakten Gleichgültigkeit sich als Destruktion bewährt. Der monetäre Zugriff auf die Natur ist der wohl langfristig verhängnisvollste Aspekt dieses Prozesses, denn die Logik des Geldes kennt keine Grenze. Sie strebt nach einer leeren Unendlichkeit des Mehr durch die Institutionalisierung der Geldgier im Finanzsystem, in den Unternehmen, in Ausbildung und den Medien. Die Natur ist aber nur Natur durch ihre Form, also ihre Grenzen. … Ein Ausweg besteht nicht im erweiterten technischen Zugriff, in der Substitution der sich erschöpfenden Rohstoffe durch andere – für Wasser, saubere Luft, das Klimasystem und den Kreislauf im Meer gibt es keine Substitute –, sondern nur in einer neuen Bescheidenheit. Der Ausweg besteht im Zurückdrängen der Ratio, nicht in ihrer weiteren Expansion auf dem Rücken der Geldakkumulation.“

Karl-Heinz Brodbeck, „Geld und Sprache: Der innere Widerstreit in der Modernisierung“ (2011)