„Finanzkrise“ und „Realwirtschaft“

Conde: Durch den weltweiten Handel mit Finanzpapieren wurde die Summe der Geldwerte derart aufgeblasen, dass diese bald das Hundertfache und noch mehr der realen Wirtschaftsgüter betrug, und dabei ist die Grenze tendenziell nach oben offen. Doch das ist wie mit einem Luftballon: Wenn ich ihn über die Möglichkeiten seiner materiellen Substanz hin versuche aufzublasen, platzt er schließlich. Erst dann merkt das Kind, dass seine Größe eigentlich Luft war und dass auch seine Materie nun kaputt ist. In den Finanzmärkten sind wir inzwischen genau an diesem Punkt. Wir waren wie Kinder, die sich von der Größe eines finanziellen Luftballons haben blenden lassen, ohne zu merken, dass er desto eher platzt und uns in die Explosion mitreißt, je mehr wir ihn aufblasen wollen. Die aufgeblasene Masse des Geldes existiert nur in den Zahlen der Banken, darüber hinaus entspricht ihr kein Wert mehr. Das erfundene Geld wurde wichtiger als die realen Güter. Wer dieses Geld „hat“, lebt in der Illusion, etwas zu besitzen, was eigentlich nichts ist, etwas, was es gar nicht gibt. Geldsummen und Sachwerte entsprechen sich nicht mehr, und dann kollabiert das Finanzsystem.

Aufgang: Der Zusammenbruch der Finanzmärkte, die bittere Einsicht. dass seine Werte nur imaginär waren, wird sich also früher oder später auch negativ auf die Wirtschaft auswirken?

Conde: Das wird so kommen, weil die Wirtschaft treibenden Menschen inzwischen ihre Güter an die künstlich hergestellten Finanzgewinne, an ein erfundenes Geld, gekoppelt haben, um größeren Profit zu erreichen. Die durch den Zusammenbruch der Finanzmärkte entstandenen gewaltigen Verluste müssen durch realwirtschaftliche Güter ausgeglichen werden, konkret etwa durch Steuergelder, also letztlich durch den Besitz und die Arbeit des „kleinen Mannes von der Straße“, durch jeden einzelnen von uns. Das kann und wird mittelfristig eine gewaltige Verarmung weiterer Teile der Bevölkerung mit sich bringen. Der künstlich aufgeblasene Finanzmarkt war ein eingebildetes, weil inhaltloses Fundament, und wir haben Fehler gemacht, unsere Wirtschaft darauf aufzubauen. Kein Wunder, dass sich dieses nur imaginierte Fundament jetzt als unhaltbar erweist und uns alle ebenso tief mit in den Abgrund reißt, wie stark wir es aufgeblasen haben.“

Mario Conde, „Von der Bank zur Mystik“, Aufgang, Band  6:  Von der Wissenschaft zur Mystik, S. 23-24.